Lernen von Tschechien & Co. Eine Cloud für alles – das funktioniert in Schulen unserer Nachbarländer. Hier ein Beispiel

Foto: Edookit s.r.o.; A.Behlen

Um virtuellen Unterricht, Verwaltungsaufgaben und Kommunikation zwischen Schülern, Eltern und Lehrern zu bewerkstelligen, agieren die Beteiligten oft mit mehreren Plattformen gleichzeitig. Die Schulplattform Edookit vereinfacht diese Prozesse. Warum dieser cloudbasierte Ansatz gerade der in Ländern wie Tschechien, Bulgarien oder der Slowakei so gut funktionierte, erläutert Roman Vejražka, CEO und Mitgründer von Edookit.

SCHULE: Was können deutsche Schulen von tschechischen Schulen lernen? Roman Vejražka: In Tschechien sind die Schulen deswegen besser auf den Fernunterricht vorbereitet gewesen, da viele schon vor vier oder fünf Jahren digitale Plattformen in ihren Unterricht integriert haben. Zudem wird Kommunikation immer dann einfacher, wenn nur eine Plattform Verwendung findet, um Überschneidungen und Komplikationen zwischen mehreren Anbietern zu vermeiden. An tschechischen Schulen wird das häufig so gemacht.
Seit Beginn der Pandemie verzeichnen unsere Server einen Zuwachs von mehr als 3 000 Prozent an Anfragen.

Was macht Ihre Plattform anders?

Als ERP-System (Enterprise Resource Planning, Anm. der Red.) fasst Edookit Prozesse, die normalerweise nur über mehrere Plattformen steuerbar sind, in einem System zusammen. In den meisten Unternehmen gehören ERP-Systeme mittlerweile zum Standard, um komplexe Planungs- und Steuerungsaufgaben wie Finanz- oder Mitarbeiterströme zu organisieren. Das klappt nun auch in Schulen: Intuitiv zu nutzende Planungs- und Kommunikationswerkzeuge helfen beim täglichen Distance-Learning und ermöglichen Eltern einen schnellen, einfachen und umfassenden Überblick über das Schulleben ihrer Kinder. Dank der selbsterklärenden Nutzung des Systems können die Schüler weitestgehend eigenständig damit umgehen und lernen. Das ist eine enorme Erleichterung, vor allem für die Eltern, die gerade Homeoffice und den Unterricht ihrer Kinder unter einen Hut bekommen müssen. Konkret haben wir in enger Zusammenarbeit mit Lehrern und IT-Fachleuten eine digitale Kopie von Schulen erstellt, die weltweit einsetzbar ist. Dafür haben wir alle Prozesse, die zum Schulalltag gehören, implementiert. Die Plattform bietet zwei cloudbasierte Systeme, die von allen mobilen Endgeräten aus nutzbar sind. Eines, das sich an die Bedürfnisse der Eltern und Schüler richtet sowie eines, das speziell für Anforderungen und Aufgaben der Administratoren und Lehrer gedacht ist. Eltern und Schüler erhalten Einsicht in die Schulaktivitäten ihrer Kinder, können beispielsweise Schulnoten oder Stundenpläne einsehen, sich über Klassenausflüge informieren oder das Schulessen in der Mensa bestellen. Lehrer und Verwaltungsmitarbeiter können Klassenbucheinträge vornehmen, Notengebungen oder die Abwesenheit von Schülern mit wenigen Klicks dokumentieren. Einen Vorteil bietet auch die mögliche Anbindung an das Finanzsystem der Schule. So schafft die Plattform einen Überblick über offene Zahlungen. Müssen etwa für einen Zoo-Ausflug Eintrittsgelder bezahlt werden, können Lehrer und Schulverwaltung vor dem Ausflug einsehen, ob alle Zahlungen beglichen sind.

Welches sind aus Ihrer Erfahrung die besten Lern-
plattformen in Deutschland und Europa?

Es gibt mehrere Lernplattformen, aber man kann nicht genau sagen, welche davon die Beste ist, dazu gibt es von Schule zu Schule und von Land zu Land zu große Unterschiede. Was man aber schon sagen kann, ist, dass zum Beispiel Microsoft 365 und Google Meet als weltgrößte Kommunikationsplattformen besonders hervorstechen. Diese haben wir in unser System für Videokonferenzen integriert. Worin unterscheiden sich die besten Lernplattformen? Der größte Unterschied ist, dass es Plattformen gibt, die wie Edookit selber Content, also Lerninhalte bereitstellen, und solche wie Microsoft 365, die selber keinen Content zur Verfügung stellen. Edookit verfügt in Tschechien über die E-Learning Plattform Red Monster. Das heißt, Lehrer und Schüler können dort auf Hunderte von Onlinekursen mit hochqualitativen Lerninhalten über ein eigenes Archiv zugreifen. Langfristig ist geplant, diese Inhalte auch auf für den deutschen Markt zur Verfügung zu stellen. Bis dahin wird es allerdings noch etwas dauern, da die Lerninhalte erst mit dem deutschen Lehrplan abgeglichen werden müssen. Diese Kombination aus Schulinhalten und ERP-System stellt eine große Marktlücke im deutschen Schulbetrieb dar. Was läuft in Deutschland beim Homeschooling gut, was läuft weniger gut? Gut läuft auf jeden Fall, dass sich bei allen Beteiligten eine hohe Sensibilität für das Thema Homeschooling entwickelt hat, und zwar sowohl bei Schülern und Lehrern als auch bei Entscheidern und Politikern. Was leider pro­blematisch ist, ist die hohe Abhängigkeit und der eingeschränkte Entscheidungsradius, dem Schulen gerade in föderalen Systemen wie in Deutschland ausgesetzt sind. Das blockiert den Digitalisierungsprozess gewaltig.

Wie lange würde es dauern, Ihr System in Deutschland einzuführen?
Derzeit wird Edookit in Tschechien, der Slowakei, Bulgarien und in Deutschland– an einer Testschule in Dresden – eingesetzt. Daher wissen wir, dass es in der Regel ein bis zwei Wochen dauert, unser System an einer neuen Schule zu implementieren. Um die Benefits einer neuen Plattform voll auszuschöpfen und bis sich alle Prozessbeteiligten an ein neues System gewöhnt haben, dauert es bis zu einem Jahr.

Welche Rolle spielt dabei die nötige Bandbreite?
Wir haben unser System so entwickelt, dass eine hohe Bandbreite nicht unbedingt nötig ist, sodass das System auch in Gegenden mit schlechter Verbindung genutzt werden kann.

Wie steht es um den Datenschutz bei Edookit?
Wir sind seit 2009 auf dem Markt, die Software wird täglich von mehr als 350 000 Usern an Schulen in Tsche­chien, der Slowakei, Bulgarien und Deutschland genutzt. Dabei stellen wir sicher, dass die Anforderungen der DSGVO in allen Bereichen eingehalten werden. Unser Datenzentrum für Deutschland sitzt in München.

Wie sieht der Unterricht der Zukunft aus?


Ob wir wollen oder nicht, wird Homeschooling und Technologie noch mehr Bestandteil unseres Lebens werden. Ein großer Vorteil ist, dass dadurch viel individueller auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen werden kann. Dennoch wird der Präsenzunterricht nie vollständig verschwinden, denn gerade für die jüngeren Schüler ist dieser soziale Kontakt sehr wertvoll.
Roman Vejražka: CEO und Mitgründer der Plattform Edookit, die in Tschechien, Bulgarien und der Slowakei bereits seit 2009 auf dem Markt ist und von zahlreichen Schulen genutzt wird (mehr als 350 000 User). Infos: www.edookit.com